Die zehn No-Gos im Bewerbungsgespräch

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Gratuliere! Ihre Unterlagen haben überzeugt und die Einladung zum Bewerbungsgespräch ist da! Vielleicht denken Sie: «Jetzt kann ja nicht mehr viel schiefgehen.» Leider nein.
Als Führungskraft rekrutiere ich selbst Mitarbeitende und weiss, dass Bewerber:innen im Vorstellungsgespräch manchmal vermeidbare Fehler machen, die dann bedauerlicherweise zu einer Absage führen.

Mit dieser Checkliste vermeiden Sie die häufigsten Stolpersteine und bleiben souverän im Rennen.

1. Unpünktlichkeit

Szenario: Ich bin mitten in der Arbeit oder in einem Meeting und ein:e Kandidat:in meldet sich schon 20 Minuten vor dem Termin bei mir oder ein:e Kandidat:in kommt zu spät und lässt mich 5 Minuten oder länger warten.

Zu spät zu erscheinen, ist ein No-Go. Aber auch 20 Minuten zu früh vor der Tür zu stehen, kann unangenehm sein.
Ideal ist es, etwa 10 Minuten vor dem Termin vor Ort zu sein. Planen Sie Ihre Anreise mit genügend Zeitreserve, besonders bei unbekannten Orten, und warten Sie bei Bedarf in der Nähe des Gebäudes.

2. Ungepflegtes Erscheinungsbild oder unangenehmer Geruch

Szenario: Sobald ein:e Kandidat:in den Raum betritt, riecht es nach Zigaretten, Essen oder Schweiss. Auch die Kleidung und die Frisur zeigen nicht, dass sich jemand Mühe gegeben hat.

Der erste Eindruck entsteht in Sekunden. Kleidung, Frisur und persönlicher Gesamteindruck beeinflussen stark, wie professionell Sie wirken. Ein frischer, gepflegter Auftritt signalisiert Respekt und Professionalität.

Typische Fehler im Bewerbungsgespräch:

  • Zu legere oder unpassende Kleidung
  • Zu intensives Parfum
  • Rauchgeruch oder Mundgeruch (z.B. von stark gewürzten Speisen)

Verzichten Sie 1–2 Stunden vor dem Termin auf das Rauchen. Achten Sie auf saubere Kleidung, gepflegte Haare und einen frischen Atem. Besonders bei Parfum ist weniger oft mehr.

3. Schlechte Körpersprache

Szenario: Ein:e Kandidat:in hat ein betont dominantes Auftreten und wirkt dadurch sofort unsympathisch. Oder ein:e Kandidat:in ist merklich nervös, tritt mit verschlossener Körperhaltung auf und wirkt dadurch unzugänglich.

Ihre Körpersprache vermittelt oft mehr als Worte. Eine offene und respektvolle Körpersprache vermittelt Selbstbewusstsein, ohne überheblich zu wirken.

Vermeiden Sie:

  • Abweisende Körperhaltung
  • Fehlender Blickkontakt
  • Nervöses Herumspielen mit Gegenständen
  • Arroganz in Ihrer Körpersprache:
    • Übertrieben lässiges Zurücklehnen
    • Demonstrativ verschränkte Arme
    • Überhebliches Lächeln

Achten Sie auf eine aufrechte Haltung, ruhige Bewegungen und freundlichen Blickkontakt. Selbstbewusst, aber nicht überheblich.

4. Fehlende Vorbereitung auf das Unternehmen

Szenario: Ein:e Kandidat:in kann mir kaum etwas über unser Unternehmen erzählen.

Wer kaum etwas über das Unternehmen weiss, wirkt unmotiviert.
Informieren Sie sich vorab über Website, Produkte, Werte und aktuelle Themen und Projekte. Gute Vorbereitung hebt Sie von anderen Kandidat:innen ab.

5. Nicht zuhören oder ins Wort fallen

Szenario: Ein:e Kandidat:in lässt mich nicht ausreden und fällt mir ständig ins Wort.

Ein Bewerbungsgespräch ist ein Dialog. Wer ständig unterbricht oder nur auf die nächste eigene Antwort wartet, wirkt respektlos. Hören Sie aktiv zu und gehen Sie gezielt auf die gestellten Fragen ein.

6. Negative Aussagen über frühere Arbeitgeber

Szenario: Ein:e Kandidat:in erzählt mir Anekdoten von Schwierigkeiten an vorherigen Arbeitsstellen, zudem spricht er oder sie noch schlecht über ehemalige Chefs und Mitarbeitende.

Sätze wie «Mein Chef war schwierig» oder «Dort war alles chaotisch» wirken unprofessionell. Selbst wenn es stimmt.

7. Arroganz statt Authentizität

Szenario: Ein:e Kandidat:in erzählt mir Anekdoten, wie er/sie das vorherige Unternehmen als Held:in mehrfach “gerettet” hat.

Selbstbewusstsein ist gut. Überheblichkeit nicht.
Wer überheblich wirkt oder sich selbst übermässig lobt, verliert schnell Sympathiepunkte. Bleiben Sie freundlich, respektvoll, bescheiden und authentisch.

8. Lügen oder Übertreibungen

Szenario: Ein:e Kandidat:in wirkt im Gespräch viel unprofessioneller als in vorherigen E-Mails. Das lässt vermuten, dass vorher viel «Arbeit» von ChatGPT oder einer anderen KI übernommen wurde.

Unwahre Angaben im Lebenslauf oder im Gespräch fliegen früher oder später auf. Auch der übermässige Einsatz von Tools wie ChatGPT ersetzt keine echten Kompetenzen.
Bleiben Sie ehrlich, denn Authentizität schafft Vertrauen.

9. Zu lange oder zu unstrukturierte Antworten

Szenario: Ein:e Kandidat:in beginnt einen Monolog als Antwort auf eine meiner Fragen und schweift dann auch noch vom Thema ab. Für mich wird es schwierig, den Monolog zu stoppen!

Viele Bewerber:innen reden im Bewerbungsgespräch zu ausschweifend. Lange Monologe ohne klaren Fokus wirken unsicher. Antworten Sie präzise und strukturiert. Konkrete Beispiele aus Ihrer Berufserfahrung helfen, Ihre Aussagen zu unterstreichen.

10. Keine eigenen Fragen stellen

Wenn Sie am Ende keine Fragen haben, wirkt das schnell desinteressiert.
Zeigen Sie Engagement, zum Beispiel mit Fragen wie:

  • Wie ist das Team organisiert?
  • Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?
  • Wie wird Erfolg in dieser Position gemessen?

Kleine Details entscheiden

Viele Fehler im Bewerbungsgespräch passieren aus Nervosität oder fehlender Vorbereitung. Doch genau diese Details können über Zu- oder Absage entscheiden.

Wer sich gut vorbereitet, respektvoll und authentisch auftritt, steigert seine Chancen deutlich.

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