«Was möchtest du später werden, wenn du gross bist?» Die optimistische Antwort darauf lautet: «YouTuberin, Astronautin oder vielleicht Tierärztin.» Die pessimistische Antwort darauf lautet: «Wenn ich gross bin, braucht es mich doch gar nicht mehr, dann macht KI doch schon alles?»
Zum Glück, sieht unsere berufliche Zukunft nicht ganz so düster aus. Es stimmt jedoch, dass durch den Aufschwung der Digitalisierung und Vernetzung immer mehr Berufe automatisiert oder durch Outsourcing ersetzt werden können.
Allerdings haben Menschen die Fähigkeit wahrer Kreativität und unerlässliche Soft Skills, die nicht künstlich generiert werden können. Deshalb sollte man den Kopf nicht in den Sand stecken und sich stattdessen damit auseinandersetzen, wie man sich dem neuen Zeitalter von New Work anpassen kann.
Das Konzept New Work
Frithjof Bergmann ist der Begründer von New Work. Der Sozialphilosoph setzt sich in seiner Arbeit mit der Frage nach der persönlichen Freiheit des Menschen auseinander. New Work sieht sich als Gegenentwurf zum Kapitalismus. Bergmann ist der Meinung, dass Arbeit auf den Menschen eine zerstörerische Wirkung haben kann. Davon seien auch nicht nur Leute aus den Bergwerken oder Soldaten betroffen, sondern alle.
Deshalb setzt er auf das Prinzip, dass Arbeit etwas sein sollte, das man auch wirklich machen möchte, damit sie letztendlich eine Quelle der Lebensfreude wird. Dieser Ansatz setzt bewusst auf die individuelle Entfaltung der Persönlichkeit. Um dies zu ermöglichen, sind auch Veränderungen in der Arbeitsstruktur, der Arbeitseinstellung sowie im Umgang mit Technologie und der Digitalisierung nötig. Noch mehr wo Veränderung nötig ist, können Sie von direkt von Frithjof Bergmann hören, in diesem Interview.
Die Beziehung zwischen New Work und «Old Work»
Momentan wird New Work zunehmend mit traditioneller Lohnarbeit kombiniert. Das Ziel ist jedoch letztendlich, die traditionelle Karriere nach dem klassischen, hierarchischen Weg abzuschaffen.
Das allgegenwärtige Vorhandensein des Internets macht einen fixen Arbeitsplatz zunehmend überflüssig. Somit öffnet sich der Arbeitsmarkt auch immer weiter für innovative Arbeitsformen auf neuen Geräten.
Zu diesen neuen und ungebundenen Arbeitsmodellen gehört auch eine offenere und zunehmend transparentere Unternehmenskommunikation. Hierarchien werden langsam abgebaut und strategische Entscheidungen basieren häufiger auf gemeinsamen als auf Einzelentscheidungen. New Work steht für eine neue Arbeitsweise und somit auch Lebensweise mit mehr Freiheiten und Selbstbestimmtheit, in der die Teilnahme an der Gemeinschaft grossgeschrieben wird. Die Ansprüche an das Arbeitsumfeld und die eigene Karriere haben sich verändert. Crowdworking, Sabbatical, Home-Office, sind nur einige der neuen Arbeitsmodelle, die New Work mit sich bringt.
Nach der Philosophie von New Work sollte der berufliche Lebensweg nicht mehr an ein Unternehmen gebunden sein. Stattdessen wird das Arbeiten in einem breiten Netzwerk zunehmend wichtiger, wodurch der bis jetzt stets präsente Konkurrenzgedanke in den Hintergrund rückt.
Kritik an der neuen Arbeitsform
Bei New Work stehen die Bedürfnisse der Arbeitnehmer unverkennbar im Fokus. Diese sollen möglichst frei, unter anderem für den gesellschaftlichen Nutzen, nachhaltig und selbstbestimmt arbeiten können. Die grösste Kritik an diesem Prinzip ist, dass der Markt dabei ausser Acht gelassen wird. Unternehmen stehen dennoch in Konkurrenz mit anderen Marktteilnehmern und müssen leistungs- und wettbewerbsfähig bleiben. Die Kunden sind und bleiben die Könige der Nachfrage und halten so die Wirtschaft am Laufen. Das kann gewisse Arbeitsbedingungen mit sich bringen kann und teilweise auch erzwingen. Der Erfolg, ein Unternehmen mit der Theorie von New Work menschlicher zu machen, ist zudem sehr branchenabhängig. Während mehrheitlich die ganze Online-Branche, viele kreative Berufe und insbesondere die Branchen, die nicht auf eine enge Zusammenarbeit mit Kunden als auch anderen Berufen angewiesen sind, davon profitieren, sieht es auf der anderen Seite kritischer aus. Handwerk, der gesamte Dienstleistungssektor oder viele Branchen in der Industrie haben es deutlich schwieriger.
Ausblick für New Work
Dass New Work branchenübergreifend zunehmend wichtiger wird, lässt sich nicht abstreiten. Es ist jedoch kein Arbeitskonzept, das sich in allen Berufen und Bereichen gleich gut integrieren und umsetzen lässt. Die eigenständige Arbeitseinteilung sowie die Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit der Arbeit gewinnen zunehmend an Relevanz. Das Konzept birgt zwar gewisse Risiken, da gewohnte Strukturen durch innovative und disruptive Prozesse aufgebrochen werden, gleichzeitig bietet es aber auch die Chance für eine neue Marktpositionierung und hält so den Wettbewerb am Laufen.
Fühlen Sie sich bereit, die New Work Arbeitswelt zu erkunden? Dann finden Sie hier alle Stellenanzeigen der Schweiz oder lesen Sie hier weiter über das Arbeiten, wo andere Ferien machen: die Workation.