Der Fachkräftemangel ist seit Jahren ein wichtiges Thema auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Viele Unternehmen berichten von Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen, während gleichzeitig immer wieder von einer Entspannung der Situation die Rede ist.
Doch wie stellt sich die aktuelle Lage dar?
Die aktuelle Situation ist wie folgt zu beurteilen: Der Fachkräftemangel ist nach wie vor vorhanden, jedoch mit einer zunehmenden Konzentration auf bestimmte Berufsgruppen. Zwar hat sich die Situation in vielen Bereichen entspannt, dennoch bleibt die Suche nach qualifizierten Mitarbeitenden insbesondere in einigen Schlüsselbranchen eine Herausforderung.
Der Fachkräftemangel nimmt weiter ab
Der aktuelle Fachkräfte-Index zeigt, dass sich die Situation auf dem Schweizer Arbeitsmarkt in den letzten Jahren deutlich verändert hat. Im Jahr 2025 ist der Fachkräftemangel bereits das zweite Jahr in Folge zurückgegangen. Der Index liegt rund 22 Prozent unter dem Vorjahreswert und nähert sich wieder dem Niveau vor der Corona-Pandemie an.
Gleichzeitig ist die Zahl offener Stellen gesunken, während die Zahl der Stellensuchenden gestiegen ist. In der Folge hat sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage in vielen Berufsfeldern wieder ausgeglichener entwickelt.
Fachkräftemangel betrifft heute nur noch wenige Berufsgruppen
Eine der wichtigsten Erkenntnisse des aktuellen Fachkräfte-Index: Der Fachkräftemangel ist heute deutlich weniger breit abgestützt als noch vor einigen Jahren.
2025 weisen lediglich vier der 32 untersuchten Berufsgruppen einen ausgeprägten Fachkräftemangel auf.
Besonders betroffen sind:
Gesundheitsberufe
An der Spitze des Rankings stehen weiterhin Gesundheitsberufe wie Fachärzte, Pflegefachkräfte oder Apotheker:innen. Der demografische Wandel und die alternde Bevölkerung sorgen dafür, dass die Nachfrage in diesem Bereich langfristig hoch bleibt.
Bau- und Führungsfunktionen
Ebenfalls stark nachgefragt sind Bauführer, Poliere sowie Produktionsleiter:innen. Die stabile Auftragslage in vielen Bereichen der Bauwirtschaft sorgt weiterhin für einen hohen Personalbedarf.
Technik und Ingenieurwesen
Technische Fachkräfte und Ingenieure gehören weiterhin zu den gefragtesten Berufsgruppen. Viele Unternehmen suchen nach Spezialisten, die technologische Entwicklungen und komplexe Projekte begleiten können.
Elektronikberufe
Auch Elektronikberufe zählen weiterhin zu den Berufsgruppen mit Fachkräfteengpässen. Dazu gehören beispielsweise Fachkräfte im Bereich Elektronik, Telekommunikation und Elektrotechnik.
Entspannung in kaufmännischen und administrativen Berufen
Besonders interessant ist, dass sich der Fachkräftemangel nicht in allen Bereichen gleich entwickelt.
Vor allem in kaufmännischen, administrativen und teilweise auch in ICT-Berufen hat sich die Lage deutlich entspannt. In einigen dieser Berufsfelder zeigt sich mittlerweile sogar ein Fachkräfteüberangebot. Das bedeutet, dass mehr qualifizierte Stellensuchende verfügbar sind als offene Stellen vorhanden sind.
Ein möglicher Grund dafür sind wirtschaftliche Unsicherheiten, aber auch die zunehmende Automatisierung und der Einsatz von KI-Technologien, welche bestimmte Tätigkeiten verändern oder teilweise ersetzen.
Recruiting bleibt eine strategische Herausforderung
Auch wenn sich der Fachkräftemangel insgesamt abgeschwächt hat, bleibt die Gewinnung qualifizierter Mitarbeitender eine zentrale Herausforderung.
Unternehmen profitieren heute besonders von:
- einer klaren Arbeitgeberpositionierung
- flexiblen Arbeitsmodellen
- gezielten Weiterbildungsangeboten
- modernen Recruiting-Prozessen
Ein attraktiver Arbeitgeber, der die Bedürfnisse seiner potenziellen Mitarbeitenden versteht, verbessert seine Chancen im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte nachhaltig.
Der Fachkräftemangel in der Schweiz ist nach wie vor ein Thema, wenn auch weniger ausgeprägt als noch vor einigen Jahren. Statt eines flächendeckenden Problems zeigt sich heute ein differenzierteres Bild: Während sich die Lage in vielen Berufsgruppen entspannt hat, bleiben Gesundheitsberufe, Bau- und Führungsfunktionen, technische Fachkräfte sowie Elektronikberufe besonders gefragt.
Chancen im Wandel des Arbeitsmarkts
Für Unternehmen bedeutet dies, ihre Recruiting-Strategien gezielt auf jene Berufsfelder auszurichten, in denen der Wettbewerb um Fachkräfte weiterhin besonders intensiv bleibt. Für Bewerber:innen lohnt es sich gleichzeitig, die eigenen Kompetenzen kontinuierlich weiterzuentwickeln und einen Blick auf die Skills der Zukunft sowie die Berufe der Zukunft zu werfen. Wer die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt frühzeitig erkennt, verbessert seine Chancen auf attraktive Karriereperspektiven nachhaltig.
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