rennender Mann mit Geld vor blauem Hintergund

Gehaltsvorstellung im Anschreiben: So nennen Sie Ihre Zahl, ohne sich zu verkaufen…

3 Minuten

Sie sehen eine offene Stelle, lesen die Jobbeschreibung durch und sind begeistert. Dies ist Ihr Traumjob, den Sie unbedingt haben möchten. Doch bevor Sie blind eine Bewerbung verschicken: Ganz zuunterst, gleich vor der Anschrift, steht der Satz «Bitte bewerben Sie sich unter Angabe Ihrer Gehaltsvorstellung». Für viele ist genau das der blanke Horror, noch bevor man sich im persönlichen Gespräch gegenübersitzt.

Sie sind damit nicht allein. Den Ergebnissen der Mercer-Studie Global Pay Transparency Survey zufolge erwarten 63% der Stellensuchenden in der Schweiz mehr Klarheit und Transparenz bei der Vergütung. Gleichzeitig tun sich viele schwer damit, selbst eine Zahl zu nennen: Laut Michael Page nennen Befragte in der Schweiz (19%) nur halb so oft ein konkretes Lohnziel wie deutsche Stellensuchende (41%). Wie also gehen Sie mit der Aufforderung um? Sie haben drei Möglichkeiten mit unterschiedlichen Erfolgsaussichten.

Sie übergehen die Aufforderung stillschweigend

Von dieser Strategie raten wir ab. Nennen andere Kandidatinnen und Kandidaten attraktive Konditionen, rutscht Ihre Bewerbung schnell nach hinten. Zudem können sich Personalverantwortliche ignoriert fühlen oder den Eindruck gewinnen, Sie kennen Ihren Marktwert nicht. Dann gehört ein kurzes Statement in den letzten Absatz Ihres Anschreibens. Eine Aufschlüsselung aller Lohnbestandteile oder eine lange Begründung ist unnötig, übertriebene Forderungen sind kontraproduktiv.

Sie weichen elegant aus

«Gerne erläutere ich Ihnen meine Gehaltsvorstellung in einem persönlichen Gespräch.» So lässt sich die Zahl umgehen, und es zeigt, dass Sie das Inserat gelesen haben. Von der früher oft empfohlenen Nennung des aktuellen Lohns plus zehn bis zwanzig Prozent rät man heute eher ab. In der EU dürfen Arbeitgeber seit dem 7. Juni 2026 nicht mehr nach dem bisherigen Gehalt fragen. Die Richtlinie gilt zwar nicht direkt für Schweizer Arbeitgeber, doch ihre Auswirkungen auf Firmen mit europäischer Geschäftstätigkeit sind erheblich. Orientieren Sie sich deshalb am Marktwert der Stelle und nicht an Ihrem bisherigen Lohn, der Sie womöglich unter Wert verkauft.

So könnte Ihre Formulierung lauten

Halten Sie es kurz und sachlich, ein Satz genügt. Geben Sie den Betrag als Jahresbruttolohn an und schreiben Sie dazu, ob ein 13. Monatslohn darin enthalten ist, denn in der Schweiz ist das eine häufige Quelle für Missverständnisse. Zum Beispiel: «Meine Gehaltsvorstellung liegt bei CHF 85’000 bis 95’000 brutto pro Jahr, inklusive 13. Monatslohn.» Wer lieber offen bleibt, kann ergänzen: «Gerne bin ich bereit, diese Frage im persönlichen Gespräch zu vertiefen.» Wählen Sie die Spanne so, dass Sie mit dem unteren Wert noch gut leben können, denn dieser wird bei den Verhandlungen meist zum Ausgangspunkt.

Kennen Sie Ihren Wert, dann klappt’s auch mit der Zahl

Die Gehaltsfrage muss kein Stolperstein sein, wenn Sie gut vorbereitet sind. Egal, ob Sie sich für eine feste Zahl, eine Spanne oder den eleganten Verweis auf das persönliche Gespräch entscheiden: Wichtig ist, dass Sie Ihren Marktwert kennen und sicher auftreten. Ein Blick auf den Lohnrechner liefert Ihnen wertvolle Anhaltspunkte für eine realistische Lohneinschätzung. Wer weiss, was er oder sie wert ist, geht entspannter in die Gehaltsrunde. Vertrauen Sie also auf Ihre Stärken und schenken Sie diesen in der Bewerbung besondere Beachtung.