Bewerbungsvideo – schädlich oder nützlich für Ihre Bewerbung?

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Das Bewerbungsvideo polarisiert. Während einige Recruiter:innen es als moderne Ergänzung schätzen, sehen andere darin ein unnötiges Risiko. Doch wie sinnvoll ist ein Bewerbungsvideo in der Schweiz tatsächlich? Wann kann es Ihrer Bewerbung sogar schaden?

In diesem Artikel erfahren Sie, wann ein Bewerbungsvideo nützlich ist, welche Vorteile es bietet, welche Risiken bestehen und wie Sie es professionell umsetzen.

Was ist ein Bewerbungsvideo?

Ein Bewerbungsvideo ist eine kurze digitale Selbstpräsentation, die in der Regel zwischen 60 und 120 Sekunden lang ist. Es ergänzt den Lebenslauf und das Motivationsschreiben und ermöglicht es Personalverantwortlichen, sich einen ersten persönlichen Eindruck zu verschaffen.

Wichtig: In der Schweiz ersetzt ein Bewerbungsvideo in der Regel nicht die vollständigen Bewerbungsunterlagen. Es dient als freiwillige Zusatzoption oder wird explizit in der Stellenausschreibung verlangt.

Bewerbungsvideos in der Schweiz – aktueller Trend oder Ausnahme?

Digitale Bewerbungen sind längst Standard. Dennoch ist das Bewerbungsvideo auf dem Schweizer Arbeitsmarkt noch nicht flächendeckend verbreitet.

Besonders verbreitet ist es in folgenden Bereichen:

In Branchen wie Verwaltung, Finanzen oder Technik wird es dagegen deutlich seltener erwartet.

Vorteile eines Bewerbungsvideos

Ein professionell umgesetztes Bewerbungsvideo kann Ihre Chancen im Bewerbungsprozess erhöhen. Es bietet Möglichkeiten, die ein schriftlicher Lebenslauf nicht leisten kann.

Ein Bewerbungsvideo:

  • vermittelt Ihre Persönlichkeit und Ausstrahlung
  • zeigt Kommunikationsfähigkeit und Auftreten
  • schafft Nähe und Authentizität
  • hebt Sie von Mitbewerbenden ab
  • bleibt im Gedächtnis

Gerade jetzt, wo immer mehr KI-generierte Bewerbungen im Umlauf sind, kann ein authentisches Bewerbungsvideo den entscheidenden Unterschied machen.

Wann kann ein Bewerbungsvideo schädlich sein?

Ein Bewerbungsvideo ist nur so gut wie seine Umsetzung. Fehler wirken unmittelbar und lassen sich nicht kaschieren.

Problematisch wird es, wenn:

  • Bild- und Tonqualität mangelhaft sind
  • das Video zu lang oder unstrukturiert ist
  • Sie unsicher sind oder der Text auswendig gelernt wirkt
  • kein klarer Bezug zur Stelle hergestellt wird
  • der Inhalt lediglich den Lebenslauf wiederholt

Ein schlecht gemachtes Bewerbungsvideo kann unprofessionell wirken und Zweifel an Ihrer Vorbereitung aufkommen lassen. In diesem Fall wäre eine klassische Bewerbung ohne Video die bessere Wahl.

Wann lohnt sich ein Bewerbungsvideo?

Ein Bewerbungsvideo ist besonders sinnvoll, wenn:

  • ausdrücklich eines verlangt wird
  • Sie sich in einem kommunikativen oder kreativen Beruf bewerben
  • Persönlichkeit und Auftreten zentrale Kompetenzen sind
  • Sie sich von vielen Mitbewerbenden abheben möchten
  • Sie Quereinsteiger:in sind und Ihre Motivation betonen möchten

Auch bei Spontanbewerbungen kann ein Video helfen, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

So erstellen Sie ein überzeugendes Bewerbungsvideo

Ein gutes Bewerbungsvideo folgt einer klaren Struktur. Ziel ist es, innerhalb kurzer Zeit Ihren Mehrwert zu vermitteln.

1. Klare Struktur

Beginnen Sie mit einer kurzen Vorstellung: Name, angestrebte Position, Bezug zum Unternehmen. Erläutern Sie anschliessend Ihre Motivation und nennen Sie ein bis zwei Ihrer wichtigsten Kompetenzen oder Erfolge. Schliessen Sie mit einem professionellen Abschlusssatz ab, wie beispielsweise «Haben meine Fähigkeiten Ihr Interesse geweckt? Dann freue ich mich, Sie bei einem persönlichen Gespräch kennenzulernen.»

2. Authentische Sprache

Verzichten Sie auf Floskeln wie «Ich bin sehr motiviert». Nennen Sie stattdessen konkrete Beispiele aus Ihrer Berufserfahrung. Sprechen Sie frei, aber vorbereitet.

3. Technische Qualität

Achten Sie auf:

  • gute Beleuchtung
  • ruhigen Hintergrund
  • klare Tonaufnahme
  • Kamera auf Augenhöhe
  • angemessene Kleidung

Ein Smartphone mit stabiler Kamera reicht meist aus – entscheidend ist die Umsetzung.

4. Länge beachten

Ideal sind 60 bis maximal 90 Sekunden. Personalverantwortliche investieren selten mehr Zeit in eine erste Sichtung.

Datenschutz und Gleichbehandlung

Ein oft diskutierter Aspekt beim Bewerbungsvideo ist die Frage der Diskriminierung. Da Alter, Geschlecht oder Herkunft sofort sichtbar sind, besteht theoretisch ein erhöhtes Risiko für unbewusste Vorurteile.

Deshalb verzichten einige Unternehmen bewusst auf Videoformate. Informieren Sie sich im Vorfeld über die Unternehmenskultur und wägen Sie ab, ob ein Bewerbungsvideo zur jeweiligen Organisation passt.

Bewerbungsvideo – sinnvoll mit Strategie

Ein Bewerbungsvideo ist weder grundsätzlich schädlich noch automatisch ein Erfolgsfaktor. Es ist ein strategisches Instrument, das zur Stelle, Branche und Unternehmenskultur passen muss.

Wenn Sie kommunikativ stark sind, eine passende Position anstreben und das Video professionell umsetzen, kann es Ihre Bewerbung deutlich aufwerten. Sind Sie unsicher oder passt das Format nicht zur Branche, setzen Sie lieber auf eine überzeugende schriftliche Bewerbung.

Letztlich gilt: Qualität geht vor Trend. Ein gut durchdachtes Bewerbungsvideo kann Türen öffnen, ein unvorbereitetes hingegen eher schliessen.

Eine kurze mündliche Bewerbung kann nicht nur in Form eines Bewerbungsvideos hilfreich sein. Mit einem Elevator Pitch können Sie sich auch in spontanen Situationen bestmöglich selbst präsentieren. Erfahren Sie hier, worum es sich bei einem Elevator Pitch handelt und wie Sie diesen als Vorteil nutzen können.

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