10 Wege, wie Sie Ihren neuen Chef garantiert auf die Palme bringen

6 Minuten

Sie haben es geschafft. Die Bewerbung ist raus, das Vorstellungsgespräch überstanden, der Arbeitsvertrag unterschrieben. Vielleicht haben Sie sogar schon ein neues Notizbuch gekauft, den Arbeitsweg getestet und innerlich Ihre Dankesrede für die Beförderung vorbereitet.

Doch halt: Warum sich mühsam einen guten Eindruck erarbeiten, wenn man den neuen Chef auch schon in der ersten Woche zuverlässig auf die Palme bringen kann?

Damit der Start im neuen Job nicht etwa angenehm, professionell oder erfolgreich verläuft, haben wir die wichtigsten Anti-Tipps gesammelt. Bitte nur befolgen, wenn Sie bereits wieder nach einer neuen Stelle suchen möchten.

1. Kommen Sie zu spät. Am besten mit Überzeugung.

Pünktlichkeit wird völlig überschätzt. Besonders am ersten Arbeitstag. Wer wirklich Eindruck machen will, erscheint 17 Minuten zu spät, betritt den Raum mit einem halb ausgetrunkenen Kaffee und sagt: «Sorry, der Verkehr war heute irgendwie Verkehr.»

Noch besser: Sie wirken überrascht, dass überhaupt jemand mit Ihnen gerechnet hat. Schliesslich ist es ja nur Ihr erster Arbeitstag. Da kann man schon mal locker eintrudeln.

Für Fortgeschrittene: Fragen Sie direkt beim Ankommen, wann eigentlich Pause ist.

2. Hören Sie nicht zu. Sie wissen ja schon alles.

Einarbeitung? Prozesse? Zuständigkeiten? Namen der Kolleginnen und Kollegen? Alles nur Details.

Während Ihnen jemand geduldig erklärt, wie das Team arbeitet, können Sie hervorragend aus dem Fenster schauen, Ihre Mails checken oder innerlich planen, wie Sie den ganzen Laden spätestens bis Donnerstag umstrukturieren.

Falls Sie doch etwas gefragt werden, nicken Sie bedeutungsvoll und sagen Sie: «Ja, ja, ist klar.» Das wirkt souverän. Zumindest bis Sie fünf Minuten später fragen, wo die Datei liegt, die Ihnen gerade dreimal gezeigt wurde.

3. Bringen Sie sofort alles durcheinander.

Sie sind neu. Also ist es selbstverständlich Ihre Aufgabe, ab Tag eins sämtliche Abläufe kritisch zu beurteilen. Am besten beginnen Sie jeden zweiten Satz mit: «Also bei meinem alten Arbeitgeber haben wir das aber ganz anders gemacht.»

Das lieben Vorgesetzte. Das gilt besonders, wenn Sie das Unternehmen noch nicht kennen, die Kundinnen und Kunden noch nie gesehen haben und den Drucker noch nicht bedienen können.

Natürlich können frische Ideen wertvoll sein. Aber warum warten, zuhören und verstehen, wenn man auch direkt mit der verbalen Abrissbirne durch die Unternehmenskultur laufen kann?

4. Fragen Sie sofort nach Home-Office, Ferien und früherem Feierabend.

Der erste Tag eignet sich perfekt, um Prioritäten zu setzen. Fragen Sie deshalb möglichst früh:

  • «Könnte ich eigentlich ab morgen im Homeoffice arbeiten?»
  • «Wie spontan kann man Ferien nehmen?»
  • «Freitag ist hier schon eher locker, oder?»
  • «Wie genau wird die Überzeit kompensiert?»

Natürlich sind flexible Arbeitsmodelle heute normaler als früher. Aber Timing ist alles. Wenn Sie direkt in den ersten Stunden signalisieren, dass Sie vor allem daran interessiert sind, möglichst selten im Büro zu sein, bleibt das bestimmt in Erinnerung. Nur vielleicht nicht so, wie Sie es sich wünschen.

5. Werden Sie sofort Teil jedes Bürodramas.

In jedem Unternehmen gibt es Geschichten. Alte Konflikte. Kleine Reibereien. Menschen, die nie den Geschirrspüler ausräumen. Menschen, die immer den Geschirrspüler ausräumen und es allen erzählen.

Ihr Auftrag: Suchen Sie sich sofort eine Seite.

Hören Sie sich nicht erst um. Lernen Sie niemanden neutral kennen. Entscheiden Sie direkt nach dem ersten Mittagessen, wer «kompliziert» ist, wer «eigentlich recht hat» und wer «schon irgendwie komisch wirkt».

Nichts sagt «Ich bin teamfähig» so überzeugend wie ein frischer Arbeitsvertrag und eine Meinung zu Konflikten, die seit 2018 laufen.

6. Ignorieren Sie die Unternehmenskultur.

Jede Firma hat ihren eigenen Rhythmus. Manche Teams sind sehr direkt, andere zurückhaltend. In manchen Büros wird viel gelacht, in anderen konzentriert gearbeitet. Einige duzen sich, andere bleiben beim Sie.

Das muss Sie nicht interessieren.

Plappern Sie einfach ununterbrochen, wenn alle fokussiert arbeiten. Oder schweigen Sie eisern, wenn das Team bewusst locker und offen miteinander umgeht. Kleiden Sie sich demonstrativ komplett anders als alle anderen und nennen Sie den CEO beim Spitznamen, den Sie sich gerade ausgedacht haben.

Anpassung ist schliesslich etwas für Menschen, die ihre Probezeit bestehen wollen.

7. Zeigen Sie möglichst dramatisch, wie überfordert Sie sind.

Natürlich ist ein neuer Job anstrengend. Neue Namen, neue Tools, neue Abläufe, neue Erwartungen. Dass man am Anfang nicht alles weiss, ist völlig normal.

Aber wenn Sie Ihren Chef wirklich auf die Palme bringen möchten, machen Sie daraus eine kleine Bühnenshow. Seufzen Sie hörbar. Sagen Sie Sätze wie: «Das ist mir jetzt alles viel zu viel.» Oder: «Ich glaube, ich bin für so etwas nicht gemacht.»

Noch besser: Wiederholen Sie das vor möglichst vielen Mitarbeitenden. So weiss das ganze Team sofort, dass Sie Belastbarkeit nicht nur klein schreiben, sondern am liebsten ganz aus dem Wörterbuch streichen würden.

8. Stellen Sie keine Fragen. Oder zu viele. Aber nie die richtigen.

Es gibt zwei wunderbare Wege, beim Fragenstellen negativ aufzufallen.

Variante eins: Sie fragen gar nichts. Sie tun so, als hätten Sie alles verstanden, improvisieren munter drauflos und produzieren ein Ergebnis, das später liebevoll als «spannender Ansatz» bezeichnet wird.

Variante zwei: Sie unterbrechen alle zwei Minuten mit Fragen, die Sie sich hätten notieren können. Besonders beliebt: Fragen, die eben gerade beantwortet wurden oder gar nichts mit dem aktuellen Thema zu tun haben.

Der goldene Mittelweg wäre natürlich, aufmerksam zuzuhören, wichtige Punkte zu notieren und gezielte Fragen zu stellen. Aber darum geht es hier ja gerade nicht.

9. Erwarten Sie, dass alle sich nach Ihnen richten.

Sie sind neu, also sollte sich das Unternehmen schon ein bisschen Mühe geben. Warum sich selbst orientieren, wenn andere Sie permanent abholen können?

Warten Sie, bis Ihnen Aufgaben serviert werden. Fragen Sie nicht aktiv nach. Setzen Sie sich passiv an Ihren Platz und schauen Sie beschäftigt aus. Falls niemand kommt, können Sie später sagen: «Mir wurde nichts gegeben.»

Das ist praktisch und vermittelt garantiert den Eindruck, dass Eigeninitiative bei Ihnen noch in der Einführungsphase steckt.

10. Lästern Sie möglichst früh über den alten Job.

Ein Klassiker. Erzählen Sie gleich am ersten Tag ausführlich, wie chaotisch Ihr früheres Team war, wie unfähig Ihr ehemaliger Chef war und wie sehr dort alles falsch lief.

Das zeigt Ihrem neuen Arbeitgeber zwei Dinge: Erstens, dass Sie offenbar schlechte Erfahrungen gemacht haben. Und zweitens, dass Sie diese schlechten Erfahrungen gerne ausführlich weitererzählen.

Und irgendwo im Hinterkopf Ihres neuen Chefs entsteht vielleicht die kleine Frage: «Was wird diese Person wohl später über uns sagen?»

Und wie geht es richtig?

Die gute Nachricht: Sie müssen nicht perfekt starten. Niemand erwartet, dass Sie am ersten Tag alles können, alle Namen kennen und nebenbei die Kaffeemaschine diplomatisch korrekt bedienen.

Ein guter Start im neuen Job besteht oft aus einfachen Dingen:

Seien Sie pünktlich. Hören Sie aufmerksam zu. Stellen Sie sinnvolle Fragen. Beobachten Sie zuerst, bevor Sie alles bewerten. Lernen Sie die Menschen und die Kultur kennen. Bringen Sie sich ein, aber nicht mit dem Vorschlaghammer. Und wenn etwas unklar ist, fragen Sie lieber einmal sauber nach, statt dreimal falsch abzubiegen.

Kurz gesagt: Zeigen Sie Interesse, Respekt und Lernbereitschaft. Das klingt weniger spektakulär als «Chef auf die Palme bringen», funktioniert aber deutlich besser.

Schauen Sie sich auch unsere Checkliste für den ersten Arbeitstag an, um wirklich bestmöglich vorbereitet zu starten.

Ausser natürlich, Sie möchten wirklich gleich wieder einen neuen Job suchen. In diesem Fall wissen Sie jetzt, wie es geht, und finden bei uns auch gleich alle offenen Stellen der Schweiz.